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Positive Entwicklung in Polen und Gedankenanstöße für Deutschland

Ein Jahr ist fast vergangen und es gibt Positives in Sachen Tierschutz aus Polen zu berichten. Neue Tierschutzgesetze haben dem illegalen Hundehandel im Land einen Riegel vorgeschoben und es gibt dadurch weniger Tierschutznotfälle. In Deutschland hingegen boomt der illegale Hundehandel.

 

13.12.2016

Liebe Freunde der polnischen Dalmatiner!

Sicher haben diejenigen unter Ihnen, die immer die Neuigkeiten auf unserer Homepage verfolgen, schon bemerkt, dass es in den letzten Monaten recht ruhig geworden ist auf unserer News Seite.

Wir wurden nun schon öfter gefragt, ob es Unstimmigkeiten zwischen unserem Verein und dem polnischen Partnerverein gäbe und man daher keine Neuigkeiten aus Polen mehr auf unserer Seite finden würde.

Es liegt uns sehr am Herzen klarzustellen, dass unser Verhältnis zu den Mädels in Polen genauso gut ist, wie das immer der Fall war. Wir stehen nach wie vor in engem Kontakt und verfolgen auch weiterhin die Situation in den polnischen Tierheimen.

Was sich definitiv geändert hat, ist die Zahl der gemeldeten Notfälle in Polen. Vor nicht ganz so langer Zeit hatten wir noch bis zu zehn Notfälle gleichzeitig in Hundepensionen und Tierkliniken in Polen zu betreuen und wussten oftmals nicht, wie wir den Notfällen auf der Warteliste noch helfen sollten. Nun sieht die Lage in Polen zum Glück ganz anders aus!

In diesem Jahr mussten in Polen nur wenige neue Hunde durch unseren polnischen Partnerverein SOS Dalmatynczyki aufgenommen werden. Dramatische Notfälle gab es selten, es waren eher Abgabehunde von Privat und der eine oder andere Dalmatiner aus einem polnischen Tierheim, die ein Zuhause suchten.

Sie werden sich sicher fragen, warum sich die Lage in Polen derartig entschärft hat. Die Erklärung hierfür ist sehr einfach: In Polen gibt es seit einiger Zeit ein neues Tierschutzgesetz, dieses Gesetz untersagt jegliche Hobbyzucht und den Verkauf von Hundewelpen und erwachsenen Tieren aus Hobbyzuchten in Polen. Was keiner zunächst für möglich gehalten hat, ist nun eingetreten: Es werden keine Welpen und Hunde von Privat mehr in Polen in Umlauf gebracht, denn nach dem neuen Tierschutzgesetz dürften die Hunde nur umsonst in neue Hände abgegeben werden, nicht aber für Geld verkauft werden. Somit ist der Hundehandel von nicht im Zuchtverband organisierten Vermehrern in Polen mehr oder weniger zum Erliegen gekommen und die gesamte Lage hat sich aus Sicht der Tierschützer sehr entspannt.

Leider werden natürlich in Polen, wie auch in der Tschechei und in anderen Ostblockländern nach wie vor Welpen produziert, um die Nachfrage in den westlichen Ländern, wie zum Beispiel in Deutschland und in Frankreich zu bedienen.

Fataler Weise haben wir hier in Deutschland noch immer kein Tierschutzgesetz, das den Handel von Privatleuten mit Welpen und Hunden verbietet. Besonders die Ebay Kleinanzeigen bieten sogenannten „Hobbyzüchtern“ ein willkommenes Portal, um Welpen und Junghunde gegen bare Münze an den Mann zu bringen. Auch die Welpenhändler sind auf diesen Zug längst aufgesprungen und so mancher Welpe, der von einem angeblichen Hobbyzüchter bei Ebay angeboten wird, kommt in Wirklichkeit aus einer Welpenfabrik im Osten. Oft sind die Anzeigen der Welpenmafia am schlechten Deutsch des Anzeigentextes zu erkennen, daran, dass die angebotenen Welpen viel zu jung sind oder daran, dass Vater und Mutter nicht zu besichtigen sind oder die Welpen an einem dubiosen Treffpunkt übergeben werden sollen. Leider erkennt jedoch nicht jeder potentielle Welpenkäufer, dass es sich um Anzeigen der Welpenmafia handelt. Das Geschäft mit der Ware Hund boomt.

Aber nicht nur die Welpenmafia findet hier bei uns in Deutschland dank Ebay und Co. einen fruchtbaren Boden für ihren Handel, auch deutsche Privatpersonen kommen immer öfter auf die Idee, ihre Haushaltskasse durch die Vermehrung von Hunden aufzubessern. Bei den Dalmatinern ist dieses Phänomen bei den Ebay Kleinanzeigen momentan sehr gut zu beobachten. Immer mehr Privatpersonen vermehren willkürlich Dalmatiner, bieten ihren Rüden als Deckrüden an, produzieren mit ihrer Familienhündin Nachzucht und verkaufen die von ihnen vermehrten Welpen dann für doch recht stolze Summen im Internet.

Leider sind die Welpenkäufer in Deutschland noch nicht wirklich für dieses neue Phänomen sensibilisiert und so fallen viele gutgläubige Käufer auf die Anzeigen der privaten Vermehrer im Internet herein und erwerben Welpen von Elterntieren, deren Gesundheitsstatus nicht überprüft wurde und die nicht wirklich für die Zucht geeignet wären. Die Welpen werden unter Umständen nicht sachgemäß aufgezogen, sind oftmals untergewichtig, zu jung für die Abgabe, oder mit Erbkrankheiten wie HD, ED oder OCD belastet. Die Folge für die unbedarften Welpenkäufer sind meist hohe Tierarztkosten und eine lange Leidensgeschichte, die sie mit ihrem Welpen durchlaufen müssen.

Keine Frage, es gibt sicherlich auch seriöse und gewissenhafte Hobbyzüchter, aber wie soll der Laie diese von den vielen schwarzen Schafen unterscheiden, die sich nur ihren Geldbeutel auf Kosten der Hunde füllen möchten?! Eine fast unmögliche Aufgabe!

Unterstützt wird diese Art des Hundehandels hier in Deutschland dadurch, dass viele Menschen die Ebay Kleinanzeigen der Vermehrer und Welpenhändler in sozialen Netzwerken, wie zum Beispiel Facebook, teilen und somit den Händlern eine sehr breite Plattform bieten, um ihre Vermehrerprodukte erfolgreich zu vermarkten. Fast immer findet sich am Ende jemand, der Mitleid mit den angebotenen Welpen hat und irrwitzige Summen bezahlt, um wenigstens einen Welpen zu „retten“. Das gut gemeinte Verbreiten der Anzeigen aus Mitleid mit den angebotenen Welpen ist ein fataler Fehler, der die Geschäfte der Vermehrer fleissig ankurbelt. Der Internethandel mit Welpen und Hunden boomt. Ein Teufelskreis von Angebot und Nachfrage wurde längst in Gang gesetzt und wird nur sehr schwer wieder zu durchbrechen sein.

Die einzige wirksame Waffe gegen diesen neu entstandenen Hundehandel hier in Deutschland ist eine Überarbeitung unseres Tierschutzgesetzes, der Handel von Privatpersonen mit Hunden muss generell verboten werden. Wir brauchen dringend die Tierschutzparagraphen, die in Polen bereits zum Erfolg geführt haben!! Wir müssen eine Änderung unseres Tierschutzgesetzes bewirken!

Einige Vereine, wie zum Beispiel Vier Pfoten, haben bereits Petitionen ins Leben gerufen, um den Online Handel mit Tieren in den Ebay Kleinanzeigen gesetzlich verbieten zu lassen. Das ist sicherlich ein guter Ansatz, aber es reicht bei weitem nicht aus. Erst wenn der Handel mit Hunden für Privatpersonen generell gesetzlich verboten ist und Hunde nur unentgeltlich abgegeben werden dürfen, wird die Geschäftemacherei auf Kosten der Tiere ein Ende haben.

Wir als Verein haben beschlossen, uns nun aktiv mit diesem Problem zu beschäftigen und unser vorrangiges Ziel ist es, eine Petition zu verfassen in der wir fordern, Gesetze zu schaffen, die den Handel von Privatleuten mit Hunden in Deutschland generell verbieten. Wie in Polen sollen seriöse Züchter im Zuchtverband organisiert sein und strenge Auflagen bezüglich der Auswahl der Elterntiere und der Welpenaufzucht erfüllen. Wer in Zukunft in Deutschland Welpen abgeben möchte oder muss, der soll diese unentgeltlich und mit Schutzvertrag an neue Besitzer oder an den Tierschutz übergeben. Auf diese Weise wird den „Hobbyvermehrern“ mit den Dollar Zeichen in den Augen – genau wie in Polen – ein Riegel vorgeschoben und die Zahl der angeblich „unabsichtlich“ erzeugten Würfe, der „unsere Hündin sollte einmal Welpen haben“ Würfe und der „ aus Hobbyzucht“ Würfe würde verschwindend gering werden.

Auch die ausländischen Welpenhändler hätten dann ihren Markt für Hundewelpen hier bei uns in Deutschland verloren und vielen Tieren bliebe fürchterliches Leid erspart. Mit Hilfe der neuen Gesetze wäre kein Geschäft mehr mit denen im Hinterzimmer erzeugten Welpen zu machen und Pseudo- Hobbyzüchter und Vermehrer würden sich hüten, Welpen zu produzieren, die ihnen nur Kosten, aber keinerlei Einnahmen bescheren.

Wir werden diesen Winter aktiv dazu nutzen, die Petition zu erarbeiten und hoffen natürlich, dass auch Sie dann – im Sinne des Tierschutzes hier im eigenen Land – Ihre Unterschrift darunter setzen werden!

Für aktuelle Notfälle in Polen und auch hier in Deutschland sind wir natürlich nach wie vor da und werden wie bisher alles Menschenmögliche tun, um jeden Dalmatiner in ein schönes neues Zuhause zu vermitteln!

 

 

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