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Was soll denn der Süße kosten?

Sehr oft  lesen oder hören wir folgenden Satz: Was soll denn der Süße kosten? Noch bevor die Interessenten nähere Angaben zum Charakter oder der Gesundheit des Hundes erfragen, ist die Frage nach der Höhe der Kosten  ein wichtiges Anliegen.

 

Was soll denn der Süße kosten?

Das ist die Frage, die jedem Interessenten auf der Seele brennt und jeden Tierschützer zu tiefen Seufzern veranlasst.

Zum Ersten sind wir Tierschützer und keine Hundehändler.

Unsere Tierschutzhunde werden nicht zu einem Preis X verkauft, sondern sie werden gegen eine angemessene Schutzgebühr vermittelt. Diese Schutzgebühr fließt nicht ins private Portemonnaie der Tierschützer, sondern sie dient – falls die Kosten für den vermittelten Hund nicht schon weit höhere Beträge als den der Schutzgebühr erreicht haben – der weiteren Tierschutzarbeit des Vereins.

Von ihr werden neue Hunde tierärztlich versorgt und für die Hunde, die nicht das Glück haben schnell ein Zuhause zu finden, werden die Hundepensionskosten, Hundetrainer, Futter und vieles mehr bezahlt. Die jungen und gesunden Hunde, die schnell vermittelt werden, tragen durch die Schutzgebühr die Kosten für die älteren, kranken oder behinderten Hunde, die nicht so schnell oder im schlimmsten Fall gar nicht vermittelbar sind.

Um aber dennoch die Frage aller Fragen nach dem Preis eines Hundes ein wenig zu erläutern, haben wir mal für Sie die folgende Aufstellung ausgearbeitet. Bitte lesen Sie diese Aufstellung vor der Anschaffung eines Tierschutzdalmis genau durch, damit Sie vor bösen Überraschungen bewahrt bleiben:

•Niedlicher Dalmatinerrüde mit Lakritznase, beim Tierschutz entdeckt und gleich unsterblich in den süßen Kerl verliebt, man muss ihn retten! 350 EUR Schutzgebühr

•Halsband, Leine, Näpfe und Spielzeug, denn dem armen geretteten Wesen soll es ja nun an nichts fehlen: 95 EUR

•Tierarztkosten für Nachimpfungen und Entwurmen: 75 EUR

•Haftpflichtversicherung : 60 EUR

•Futter für ein Jahr: 500 EUR

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Zwischensumme: 1080 EUR

•In der ersten Nacht zwei Paar zerkaute Herrenschuhe und ein völlig vernichtetes Damendessous: 180 EUR

•In der 2. Nacht schläft das aufmüpfige Punktetier nicht mehr im Schlafzimmer, sondern im Flur. Man muss ja ein Zeichen setzen, Tierschutz hin oder her. Daraufhin fachgerechte Restaurierung des angekauten Dielenschranks und des vollgepieselten Perserteppichs durch ein Fachunternehmen : 600 EUR

•Für die dritte Nacht muss eine Hundebox her. Das hat man im Bekanntenkreis gehört, soll sehr gut funktionieren: 150 EUR

• Das mit der Hundebox war nicht das Gelbe vom Ei! Keiner im Haus hat in der folgenden Nacht ein Auge zugetan, da das Punktetier deutlich kundgetan hat, dass es nicht dem Tierheim entkommen ist, um jetzt sein Dasein in einer Kiste zu fristen. Am nächsten Morgen fährt Papi auf dem Weg zur Arbeit völlig übernächtigt mit 80 durch die 30er Zone, gähnt in die Kamera der Radarkontrolle: 300 Euro, ein halbes Jahr Führerscheinentzug und außer den Punkten zuhause noch 3 Punkte in Flensburg.

• Mutti hat noch den Führerschein, also muss das renitente Tüpfelmonster nun auf Anraten aller Sach- und Fachkundigen im engeren Bekanntenkreis einem kompetenten Hundetrainer vorgestellt werden. Also ab zur Hundeschule! Auf dem Parkplatz der Hundeschule den süßen Punktebub 15 Minuten allein im Auto gelassen, Sicherheitsgurt im SUV austauschen und den Schaltknüppel ersetzen lassen: 400 EUR

• Eine zweite Transportbox fürs Auto kaufen, weil die erste Box nicht in den Kofferraum des SUV passt und der Punktehund bei der Fahrt zur Hundeschule dreimal bei Mutti auf dem Schoss saß: 150 EUR

• Ein guter Trainer kostet eben sein Geld… und dieser ist besonders gut, der Dalmiflüsterer unter den Hundetrainern möchte man sagen. Weil Mutti so glücklich ist, dass der Trainer überhaupt bereit ist, mit dem missratenen Tüpfeltier zu arbeiten, bucht sie gleich zehn Einzelstunden: 400 EUR

•Breiteres Halsband, zerkaute Lederleine durch Nylon ersetzen, mehrere vom Trainer empfohlene oder von ihm selbst entwickelte Hilfsmittel wie Halti, Spezialgeschirr und Hundepfeife, neues, pädagogisch wertvolles Spielzeug und jede Menge Kauknochen um das Tier zu beschäftigen: 180 EUR

•Gartenzaun erhöhen und Bordstein setzen gegen die Untertunnelungsversuche des hochsprungbegabten gepunkteten Tiefbauingenieurs: 2.500 EUR

•Kosten für die Neuanlage eines Weidezaunes des ortsansässigen Landwirtes, denn der gepunktete Liebling hat seine kurzzeitige Freiheit genossen und noch während der Arbeiten am Gartenzaun die Jungbullenherde ein wenig auf Trab gebracht: 1.000 EUR

•Eine Runde Freibier für die Helfer der freiwilligen Feuerwehr, die die Bullen auf der Bundesstraße wieder eingefangen haben: 250 EUR

•Agilityparcours für den Garten, z.T. im Eigenbau, um dem Wunsch des Trainers nach besserer Auslastung des Punktemonsters nachzukommen und den Hund endlich von den verdammten Jungbullen abzulenken: 700 EUR

• Kosten für mehrere vom Hundetrainer empfohlene Kurse, das Punktetier hat inzwischen ein Diplom in Agility, Mobility, Dogdance, Rally Obedience, Mantrailing und Treibball, sein wirkliches Interesse gilt aber leider noch immer den Jungbullen, der Trainer ist ratlos: 800 EUR

•Der Gartenzaun wird nun von einem Fachunternehmen nochmals erhöht, zwischenzeitlich wieder die freiwillige Feuerwehr und ein Anwalt, der sich mit der Klage des erzürnten Landwirts befasst. Man hat leider vergessen, eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen : 1000 EUR

•Trotzdem hat dieses gepunktete Monster es geschafft, durch das Gartentor zu entkommen, als Oma zum Mittagessen rüberkam. Oma beteuert ihre Unschuld und rät, das unflätige Tier doch einfach an die Tierschützer zurückzugeben und eins beim Züchter zu kaufen. Der Landwirt hat inzwischen eine Wildkamera installiert und für das Gericht alles dokumentiert. Der Anwalt muss nun leider umfassend tätig werden: 800 EUR

•Der Trainer rät zu einem Zweithund, denn ein wohlerzogener Zweithund könnte das Punktemonster von seinem Jungbullentrip herunter holen. Außerdem ist die Arbeit mit zwei Hunden ungleich interessanter. Zweithund – nun aber der von Oma angeratene Welpe vom Züchter- nebst Grundausstattung: 1850 EUR

•Anwalts- und Gerichtskosten für den Prozess gegen den Landwirt, der nun vors Oberlandesgericht geht: 4.000 EUR

•Spende an den örtlichen Tierschutzverein wegen ausgeübter Nachsicht durch selbigen trotz vorsätzlicher Quälerei von Klauentieren: 250 EUR

•Der Punktenachwuchs vom Züchter verwüstet in der ersten Woche die gesamte Einrichtung. Oma sagt, das konnte man nicht voraussehen! Bestimmt nur der schlechte Einfluss dieses anderen Punktemonsters: 2600 EUR

•Der Familienrat hält eine Krisensitzung, Papa ist ja jetzt zum Glück immer zuhause, dank seines Führerscheinverlustes bezieht er jetzt Arbeitslosengeld. Fazit: Um eine gütliche Einigung mit dem Landwirt zu erzielen muss man das Feld räumen und kauft man am besten einen Resthof auf dem Land, Papa hat ja jetzt viel Zeit zum renovieren: 200.000 EUR

•Jetzt wo man den Resthof auf dem Land hat, die Möbel sowieso hinüber sind und der Welpe sich zusammen mit dem Punktemonster vom Tierschutz so wunderbar entwickelt hat (Man hält jetzt eine eigene Jungbullenherde), kann man doch auch noch ein paar armen Tierschutzhunden ein Zuhause geben. Oma ist sowieso nicht mit umgezogen, also was soll‘s! Man hat bis dato eine Summe von

219.190 EUR

ausgegeben und denkt nun über die Anschaffung eines geeigneten Campingmobils nach, denn Muttis SUV ist viel zu klein um mit vier Punktemonstern in den Urlaub zu fahren (Ferienhaus mit vier Hunden- nicht zu finden) und Papis Auto hat man verkauft, um die Kosten zu puffern, er braucht ja eh keines mehr: 40.000 EUR

Die vorliegende Aufstellung beruft sich auf Erfahrungswerte und könnte noch endlos fortgeführt werden. Der Preis für einen Dalmatiner aus dem Tierschutz ist nach oben hin unbegrenzt. Finanzielle Probleme durch größere Urlaubsreisen, Auseinandersetzungen mit anspruchsvollen Ehepartnern oder Daueraufenthalte der Schwiegermutter erledigen sich zwar durch die Dalmatinerhaltung meist von selbst, dennoch ist diese Hunderasse aufgrund der aufgestellten Kostenrechnung eher den Privilegierten vorbehalten.

Denken Sie also daran: Wenn Ihnen auf dem nächsten Spaziergang ein mit Dreck bespritzter Mensch in ausgelatschten Gummistiefeln und alter Wachsjacke mit sechs weißen Hunden mit schwarzen Punkten im Schlepptau begegnet – es handelt sich nicht um einen Asozialen, sondern mindestens um den Filialleiter der örtlichen Sparkasse!

Eben dieser wird Sie dann beim nächsten Gespräch unter vier Augen, mitfühlend lächelnd über die Auszüge Ihres inzwischen gesperrten Girokontos gebeugt, fragen:

„Aber hat man Ihnen denn nicht vorher gesagt, was so ein Dalmatiner kostet?“

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